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Chronik

75 Jahre "Kumm herut Cleverns

"Kumm herut" ein seltener Name unter den Boßel und Klootschießervereinen im Verband Oldenburg - Ostfriesland. In der Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum schrieb seinerzeit unser mittlerweile verstorbenes Ehrenmitglied Gerhard Lüken.

Der Name "Kumm herut" hat etwas Besonderes für sich und bedeutet:
Jungs kommt heraus ! Ihr könnt etwas ! Ihr müßt dafür eintreten, daß das Friesenspiel die Bedeutung behält die ihm gebührt.

Heute nach 75 Jahren kann festgestellt werden, daß der Verein zu jeder Zeit seinen Namen alle Ehre gemacht hat. An vielen Samstagen und Sonntagen sind die Friesenspielerinnen und Friesenspieler auf der Straße und um Sieg oder Niederlage zu kämpfen. Sie gehen nicht nur " raus " um an den Punktspielbetrieb teilzunehmen, sie nehmen außerdem am Übungsboßeln teil, am Pokalboßeln und sonstigen Veranstaltungen.

Der Verein wurde 1924 gegründet. Unterlagen sind nicht vorhanden, sie sind während des Krieges ebenso wie die Vereinsfahne verloren gegangen. Auf das Gründungsjahr weisen Anstecknadeln hin, die im gleichen Jahr oder später angeschafft wurden. Ein weiterer Nachweis ist eine Versammlungsnotitz des damaligen Unterverbandes Jeverland vom 28. Dez. 1924, an diesem Tage ist der Verein dem Verband beigetreten. Diesen Hinweis gab anlässig der 60 Jahrfeier im August 1984 der damalige Kreisvorsitzende Hermann Hildebrand.

Vom 6. März 1948, der Tag der Wiederbelebung des Vereins, ist der Verlauf des Vereins lückenlos an Hand von Protokollen aufgezeichnet.

In den ersten Jahren nach 1948 wurden überwiegend Wettkämpfe gegen Vereine aus der näher" Umgebung ausgetragen, denn die Aktiven mußten mit dem Fahrrad anreisen, im Besitz eines Fahrzeuges war fast keiner. Die Orte der Vergleichskämpfe waren Jever, Wiefels, Waddewarden, Hohenkirchen, Heidmühle, Schortens und Sandelermöns. Zu dem zuletzt genannten Verein soll man auch zu Fuß hin und zurück gelaufen sein. Anfang der 60 er Jahre änderten sich die Anreisegewohnheiten, das Auto wurde zum Fortbewegungsmittel Nr. 1 Somit wurde der Aktionsradius der Werfer bzw. Werferinnen erweitert, Vergleiche mit Vereinen aus den Kreisen Friedeburg, Wittmund und Wilhelmshaven konnten ausgetragen werden, ebenso mit den Vereinen aus dem nördlichen Jeverland.

Mit dem Beginn der Punkspiele und den leistungsbedingten Aufstieg bis zur Landesliga mußten immer weitere Entfernungen, bis in die Nähe von Oldenburg bzw. Edewecht, in Kauf genommen werden. Für Kumm herut ist es natürlich erfreulich, daß unsere "Erste" mit zu den besten Teams im Landesverband Oldenburg zählt. Mittelfristiges Ziel muß das Erreichen des dritte Tabellenplatzes sein, der zur Teilnahme an den "Play offs" berechtigt.

In den Jahren nach dem Krieg ist der Verein stets sehr aktiv gewesen, aus den Jahresprotokollen ist zu entnehmen, daß jährlich bis zu zwanzig Wettkämpfe gegen befreundete Vereine ausgetragen wurden.

Bis zum Beginn der Punktkämpfe waren es freundschaftliche Vergleiche, die meisten hiervon konnten gewonnen werden. In den ersten Jahren wurde noch um einen Geldbetrag in Höhe von 5 DM geworfen, für die Verlierende Mannschaft gerade nicht erfreulich, entweder wurde aus der Vereinskasse bezahlt, oder je Werfer ein kleiner Geldbetrag eingesammelt.

Bis Anfang der 60er Jahre betrug die Mannschaftsstärke fünfzehn bis zwanzig Mann, danach hatte der Verein einen starken Zulauf an neuen Mitgliedern, welche sich aktiv am Boßelsport beteiligten, es konnten jetzt auch Wettkämpfe gegen große Vereine mit bis zu fünfunddreißig Werfern ausgetragen werden. Bedingt durch den Anteil ungeübter und unerfahrener Boßler ging folglich mancher Wettstreit hoch verloren.

Das Jahr 1964 kann als Jahr des Aufbruchs angesehen werden, die Jugendarbeit wurde in den Vordergrund gestellt, der Erfolg stellte sich einige Jahre später heraus.

Seit 1974, mit dem Beginn der Punktspiele, sagt der Tabellenstand am Ende der Saison alles über Erfolg oder Misserfolg aus. Im Jahr des Aufstiegs wurde fast alles gewonnen, im Jahr des Abstiegs fast alles verloren. Die an anderer Stelle stehende Aufstellung gibt einen Überblick über den langen und steinigen Weg nach "oben", sowie über weitere sportliche Höhepunkte.

Es ist besonders zu bemerken, dass alle Begegnungen in Freundschaft ausgetragen wurden, es ist bisher keine Begegnung wegen Streitigkeiten auf der Straße abgebrochen worden. Bei Besuchen der Sommerfeste befreundeter Vereine in Friesland sowie im Ostfriesischem Raum konnten viele Pokale und Urkunden errungen werden, diese sind teilweise im Vereinslokal ausgestellt.

Neben dem Friesensport hat sich der Verein die Aufgabe gestellt, heimatliche Sitten und Gebräuche zu erhalten, vor allem aber die Plattdeutsche Sprache zu pflegen.

Bei Versammlungen, bei Ausübung des Boßelsports oder sonstigen Veranstaltungen wird "Platt" gesprochen.
Für das Gesellschaftliche Leben im Ort war und ist der Verein auch in der heutigen Zeit nicht unbedeutend. 1949 wurde vom Verein eine Theatergruppe gegründet, diese hatte im Winterhalbjahr zwei Aufführungen, stets gut besucht, so daß es jeweils zu einer Wiederholung kam. Mit dem Beginn des Fernsehens blieben die Zuschauer weg und die Gruppe wurde zwanzig Jahre später aufgelöst. Neben dieser Theaterabende gab es jährlich einen Tanzabend mit einer zwei/drei Mann Kapelle. Zuerst gut besucht, dann mit abnehmender Tendenz und heute fast vergessen.

Sommerfeste wurden veranstaltet und Sommerfeste auswärtiger Vereine besucht, an Erntefesten im Ort war der Verein stets beteiligt.

Zur Zeit sind Grünkohl bzw. Updrögt - Bohnen Essen, Skatabende und Fahrradtouren aktuell. Alle vier Jahre wird in Zusammenarbeit mit dem Landvolkverein, jeweils Ende August, das Dorffest gestaltet. An eine besondere Kohlparty im November 1979 werden sich viele Teilnehmer gerne erinnern. Das Essen mit abschließendem Tanz war erstmals im "Braunen Hirsch". Das Essen war üppig und wohlschmeckend zur Zufriedenheit aller Teilnehmer.
Nur mit einer Tatsache hatte der Wirt nicht gerechnet, das Friesenspieler durstige Gesellen sind, zumindest die Gäste aus Cleverns sind unterschätzt worden. Als gegen Mitternacht die ersten Getränke nicht wunschgemäß gereicht werden konnten, sprach sich entsprechende Lage schnell herum. Bestellt und getrunken wurde alles was vorhanden war. Nachdem auch die Privatgetränke aus der guten Stube verbraucht waren, mußte der Wirt das Handtuch werfen. Außer Milch und Wasser war nichts Trinkbares mehr da. Danach soll stets ein ausreichendes Lager geführt worden sein.

Erwähnenswert ist:

  • dass die während des Krieges verloren gegangene Vereinsfahne von Frau Dora Krempel, geb. Meents, in geschickter Nachbildung der alten Fahne gefertigt und dem Verein nach 1948 übergeben wurde. Ansässig der 50 Jahrfeier 1974 wurde eine neue Vereinsfahne in der Größe von 90 x 110 cm angeschafft.
  • dass der verstorbene Lehrer Heinrich Hohnholz für den Verein ein Boßellied geschrieben und vertont hat. Dieses Lied ist an anderer Stelle der Festschrift abgedruckt. Es wird leider nur sehr selten vorgetragen, in erster Linie nur zu Jubiläumsfeiern des Vereins. Da die Boßler im Singen ungeübt sind, wird es von den Sängern und Sängerinnen des Singkreises Cleverns - Sandel dargeboten.
  • dass seit Jahren, jeweils am letzten Sonnabend im Monat, eine Altpapersammlung jeweils in den Ortsteilen Cleverns und Rahrdum durchgeführt wird. Die sich hieraus ergebenen Einnahmen werden in erster Linie der Jugendarbeit zugeführt. Den Clevernser Landwirten, die ihre landwirtschaftlichen Maschinen sowie ihre eng bemessene Zeit monatlich zur Verfügung stellen, gebührt besonderen Dank. Ein Dankeschön gilt allen Mitgliedern die beim Einsammeln behilflich sin, ganz besonders Horst Weihrauch als Manager dieser Aktion.

Dank und Anerkennung gilt allen aktiven Friesensportlern, die teilweise über Jahrzehnte dem Verein zur Verfügung standen und auch heute noch stehen. Sie nehmen an vielen Tagen im Jahr mit Freude und Begeisterung am Heimatspiel teil. Ein Dankeschön an alle passiven Mitglieder, welche durch ihre Mitgliedschaft den Verein unterstützen.

Der Boßel und Klootschießerverein "Kumm herut" Cleverns, der sich dem Friesenspiel und heimatlichem Brauchtum verpflichtet fühlt, ist hierzu nur dann in der Lage, wenn er Mitglieder hat, die bereit sind an der Vereinsarbeit teilzunehmen und einfach gesagt "mitmachen". Der Vorstand sollte seine Mitglieder motivieren und zum Mitmachen anhalten, in der heutigen Zeit sicher keine leichte Aufgabe, denn das Angebot zur Freizeitgestaltung ist enorm groß.

Darum der Aufruf: "Kumm herut"